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Die Kunst zu leben ist es, allen Geschicken mit Gleichmut und allen Wesen mit Liebe zu begegnen; Bedürfnislosigkeit zu üben und Bedürftigen zu dienen; das eigene Ich nicht wichtig zu nehmen und sich mitfühlend und hingebungsvoll der ganzen Welt zuzuwenden. Dies ist eine hohe Kunst, die aber erlernbar ist. Es ist nichts weniger als die Anleitung zum Glücklichsein. Richtiges Glück, beständiges Glück.

Wir sind Werkzeuge Gottes zur Vollendung der Schöpfung. Der Sinn unserer Existenz erfüllt sich, wenn wir der guten Sache dienstbar sind, wenn wir allem entsagen, was Leiden verursacht.

Ich will mit all meinen Taten, Worten und Gedanken das Gute vermehren und möglichst wenig Leiden verursachen. Daher habe ich die Konsequenzen gezogen und bin ausgestiegen, habe meine bürgerliche Existenz mit all ihren Sicherheiten aufgegeben und die Verantwortung für mein Leben in die eigenen Hände genommen. Ich will weder mit meiner Arbeit, noch mit meinem Geld ein System unterstützen, das auf Ausbeutung und Vernichtung basiert. Lange genug war ich ein Baustein innerhalb dieses Systems, gleichsam ein Rädchen im Getrieb der wahnsinnigen Höllenmaschinerie, die sich Neoliberaler Kapitalismus nennt. (Eine gute Internetseite zum Thema ist übrigens www.freegan.at.) Und so lebe ich den friedlichen Protest, indem ich weder Steuern noch Sozialversicherungsbeiträge zahle, Konsum weitgehend vermeide, meine Arbeitskraft und mein Geld verschenke und dort anpacke, wo ich mit meinen Fähigkeiten möglichst viele menschliche und nichtmenschliche Wesen glücklich machen kann.

Der alte Brunnen spendet leise

Sein Wasser täglich gleicherweise.

Ich möchte diesem Brunnen gleichen,

Was in mir ist, stets weiterreichen.

Doch Geben, Geben alle Tage,

Sag Brunnen, wird das nicht zur Plage?

Da sagt der alte Jochgeselle:

Ich bin ja Brunnen nur, nicht Quelle:

Mir fließt es zu, ich geb es weiter,

Das macht mein Dasein froh und heiter.


So leb ich nach des Brunnen Weise,


Schöpf täglich Kraft zur Lebensweise.

Und will – beglückt – stets weitergeben,

Was mir die Quelle schenkt zum Leben.

Vipassana

Die Kunst des Lebens“ ist der Titel eines Buches von William Hart über den Weg zum Glück durch vollständige Befreiung der drei Ursachen allen Leidens: Verlangen, Aversion und Unwissenheit. Dhamma, das ist der Weg, der schon Siddhattha Gotama, der Buddha, vor 2500 Jahren zur Erleuchtung geführt hat. Und Vipassana ist die (Meditations-) Technik, mit der er schließlich die vollständige Befreiung von allem Leiden erlangte.

Gemäß dem Gesetz von Ursache und Wirkung ernten wir das, was wir gesät haben. Das Kamma (Handlung) sind unsere vergangenen Handlungen, die Ursachen all dessen sind, was wir erfahren. Entscheidend für unser Kamma sind die Gedanken bzw. Intentionen, die unseren Taten zugrunde liegen. Danach ist die wahre Ursache des Leidens die Reaktion des Geistes auf Impulse körperlicher oder geistiger Art. Längst vergangene Reaktionen des Mögens oder Nichtmögens, die sich im Geist festgesetzt haben, werden durch jedes erneute Reagieren auf denselben Impuls immer weiter verstärkt und eingeprägt. Aus Unwissenheit wird uns nicht einmal bewusst, dass wir reagiert haben, und so fahren wir unbeirrt in unserem blinden Reagieren fort, vergrößern damit unsere Leiden ins Unermessliche. Wir tragen all die geistigen Unreinheiten vergangener Jahre und vergangener Leben mit uns herum, vergrößern diese Bürde womöglich noch durch unrechte Gedanken, bis wir selbst sie schließlich ausradiert haben. Und diese Arbeit kann uns niemand abnehmen. Jeder muss diesen Weg selbst gehen: z.B. den „Edlen Achtteiligen Pfad“, wie ihn der Buddha entwickelte.

Halte dich fern von allen unheilsamen Taten,
vollbringe heilsame Taten,
reinige deinen Geist -
dies ist die Lehre des Erleuchteten.

Buddha

Die Unterlassung aller unheilsamen Handlungen auf der körperlichen und verbalen Ebene ist der erste Schritt für jeden, der Dhamma praktizieren will. Mit unheilsamen Handlungen schaden wir nicht nur anderen, sondern auch uns selbst. Der Edle Achtteilige Pfad ist in drei Stadien oder drei Schulungsbereiche unterteilt:
I. Sila: Moral, ethisches Verhalten, Reinheit der Sprache und der körperlichen Handlungen:
      - rechte Rede
      - rechte Taten
      - rechter Lebenserweb
II. Samadhi: Konzentration, Herrschaft über den eigenen Geist:
      - rechte Anstrengung und Bemühung
      - rechtes Gewahrsein, rechte Aufmerksamkeit
      - rechte Konzentration
III. Panna: Weisheit, Einsicht, die den Geist vollständig reinigt:
      - rechte Gedanken
      - rechtes Verstehen

Die ethischen Grundregeln, um rechte Rede und rechtes Tun in die Tat umzusetzen sind:
1. kein lebendes Wesen zu töten
2. nicht stehlen
3. keine sexuellen Verfehlungen
4. nichts Unwahres oder Unheilsames reden
5. keine berauschenden oder bewusstseinstrübenden Mittel einnehmen


Überall auf der Welt werden Kurse angeboten, die die Technik vermitteln. Von der Schülern wird erwartet, dass sie während des Kurses (in der Regel 10 Tage) die ethischen Grundregeln beachten und darüber hinaus nicht miteinander kommunizieren (keine Worte, Gesten, Notizen etc.), alle sexuellen Handlungen und sinnliche Unterhaltungen unterlassen. Ablauf und Inhalt der Kurse sind überall gleich, gemäß den Lehren des S.N. Goenka, dessen großes Verdienst es ist, Vipassana, diese wertvolle Technik, in Myanmar (Burma), Indien und dann in der ganzen Welt wieder bekannt zu machen.

Zentraler Inhalt der Kurse ist die Praxis der Meditation (Bhavana) und damit die Schulung der Konzentration (Samadhi) und die Schulung der Weisheit. Die Kurse beginnen mit der Konzentration auf die Atmung (Anapana), um den Geist zu beruhigen und zu schärfen, und führen dann zur Beobachtung der Körperempfindungen (Vipassana).

Die Schulung der Konzentration erfolgt durch
1. Rechtes Bemühen: Aufmerksamkeit auf die Atmung, auf heilsame Geisteszustände
2. Rechte Aufmerksamkeit:Bewusste Fixierung auf das Hier-und-Jetzt, auf den gegenwärtigen Moment
3. Rechte Konzentration: Aufrechterhaltung des Gewahrseins auf den gegenwärtigen Moment.
4. Die Schulung der Weisheit erfolgt durch: Rechte Gedanken: Veränderung des Denkmusters infolge Achtsamkeit auf die Atmung. Der Geist ist ruhig geworden und hat angefangen über Dhamma nachzudenken, den Weg, der aus dem Leiden führt; Rechtes Verstehen: Die wirkliche Weisheit, Durchdringung der scheinbaren Wahrheit, um die letztendliche Realität unserer Selbst zu erfahren und das Leiden zu beenden. Es gibt drei Arten von Weisheit: 1. empfangene, von anderen übernommene Weisheit, 2. verstandesmäßige, intellektuelle Weisheit, 3. auf Erfahrung beruhende Weisheit.

Jeder muss die Wahrheit durch direkte Erfahrung erleben, durch die Praxis von Bhavana (Meditation), alle anderen Arten von Weisheit können bestenfalls als Inspiration dienen.

Vipassana bedeutet die Beobachtung der Realität – wie sie wirklich ist - im eigenen Innern. Die Technik besteht in der systematischen und gleichmütigen Beobachtung von körperlichen Empfindungen. Durch das bewusste Nicht-Reagieren auf Empfindungen lösen sich die mit diesen Empfindungen verbundenen geistigen Unreinheiten auf. Warum das Beobachten der Empfindungen? 1. weil sie es sind, über die wir die Realität direkt erfahren, sie sind gleichsam die Eingangspforten für die Welt und 2. weil sie in enger Beziehung zum Geist stehen und dessen gegenwärtigen Zustand widerspiegeln (so wie z.B. auch die Atmung). Wenn geistige Objekte mit dem Geist in Kontakt kommen, entstehen Empfindungen. Durch Beobachtung der Empfindungen beobachten wir daher auch den Geist. Ganz wichtig ist dabei, dass man gleichmütig bleibt und auch keine Erwartungen hegt, wie z.B. „Ich will gesund oder glücklich oder erleuchtet werden!“. Das sind auch Begierden, geistige Unreinheiten, die die Technik konterkarieren und eine Befreiung verhindern.

Weitere Informationen:
Dhamma Deutschland:http://www.dhamma.dvara.de
Vipassana im Wiki: http://de.wikipedia.org/wiki/Vipassana
Buch: Die Kunst des Lebens, von William Hart, DTV Verlag, 2006, neben vielen anderen Titeln zu kaufen im Internet-Shop http://www.ayana-book.com

Mögen alle Wesen glücklich sein, voller Frieden sein, mögen alle Wesen (von ihren geistigen Unreinheiten) befreit sein.