Volker's Homepage

Das Schwabenland ist ein multikultureller Schmelztigel. Nur hier können Provinzialität und Größenwahn nebeneinander friedlich koexistieren. Mehr noch: sich verheiraten. Und sie haben vielen Söhnen das Leben geschenkt; die bekamen so lustige Namen wie Späth, Teufel, Oettinger und Mappus.

Kinder brauchen Spielsachen. Viele Spielsachen. Teure Spielsachen. Nie waren sie zufrieden; und so haben Mama und Papa ein Stuttgart 21 gekauft. Die Kinder waren damit endlich glücklich. Niemand sonst auf der ganzen Welt hatte sowas Tolles; das gab es nur im Ländle.

Während die Kinder mit ihren Freunden fröhlich damit spielten – voller Ehrfurcht nannte man sie bald „Die Spätzle-Connection“gingen die Eltern daran kaputt, sie hatten sich an Stuttgart 21 verhoben.

Das war das Ende von Provinzialität und Größenwahn im Schwobaländle – dank Stuttgart 21, das übrigens die vielen Kinder von Wut und Verantwortung heimlich geklaut und in der Mottenkiste der Geschichte versenkt hatten.


Aber mal im Ernst: Worum geht es bei Stuttgart 21? Der denkmalgeschützte Kopfbahnhof soll beseitigt und durch einen unterirdischen Durchgangsbahnhof ersetzt werden. Die frei werdenden Gleisanlagen des alten Bahnhofs sollen für den Bau von Wohn- und Bürohäusern genutzt werden.

Und warum das? Die Befürworter sagen, dass der alte Kopfbahnhof nicht mehr genügend leistungsfähig ist. Insbesondere die modernen Hochgeschwindigkeitszüge würden durch den Kopfbahnhof ausgebremst werden. So sagen sie jedenfalls.

Stimmt das denn wirklich? Nein, der jetzige Bahnhof ist besser, als der neue je werden könnte. Tatsächlich ist Stuttgart 21 kein Bahnprojekt, sondern vielmehr ein Immobilienprojekt, eine Goldgrube für die Investoren, ein Prestigeprojekt für gewisse Politiker in Landtag und Rathaus in Stuttgart. Sie alle verdienen an diesem Projekt, das den Bahnkunden, den Stuttgarter Bürgern und den Steuerzahlern nur Nachteile bringen wird.

Die wirkliche Motivation für Stuttgart 21 ist dieselbe wie für viele andere Großprojekte auch: Es muss bei derlei gigantomanischen Vorhaben naturgemäß sehr viel Geld bewegt werden. Milliardensummen. Und je mehr Geld fließt, desto mehr Geld können diejenigen vom Geldstrom für sich abzweigen, die diese Geldbewegung initiieren und unterhalten, die sich in der Nähe des Geldes aufhalten: Allen voran Banker und Politiker, Ingenieure, Architekten, Bauunternehmer, Immobilienspekulanten usw. usf. Weitere Motivationsförderer sind Eitelkeit, Größenwahn und das Fehlen jeglicher Fähigkeit zur Selbstkritik. Sollte der bestehende Bahnhof tatsächlich mal ein Problem werden: Die besten Lösungen sind die einfachsten, die billigsten, die kleinsten, eben die smarten Lösungen. Aber mit denen ist halt kein Geld verdient. Und so wurde das Konzept vom verbesserten Kopfbahnhof (K21 - Kopfbahnhof 21) natürlich von den Verantwortungsträgern (bzw. den Machtinhabern) abgelehnt. Pfui!

Und was droht nun den ohnmächtigen Bürgerinnen und Bürgern? Milliardenbeträge die anderswo eingespart werden bzw. durch Erhöhung von Preisen und Steuern wieder rein geholt werden müssen. Verlust von Lebensqualität durch jahrzehntelangen Baustellenlärm, Dreck, Staub und Abgasen im Herzen der Stuttgarter City, Verlust von Parkflächen und Bäumen, Verkehrsbehinderungen. Verlust eines einzigartigen Baudenkmales: dem „Bonatz-Bau“, das sind die Bahnhofsbauten, die bis auf einen seiner Funktion beraubten Torso abgerissen werden sollen.

Und wer trägt die Risiken? Geologische Risiken der Tunnelbohrungen im schwierigen Stuttgarter Untergrund; Schäden durch die Grundwasserabsenkung; Gefahr für die Stuttgarter Mineralquellen; Verschlechterung für das Stadtklima durch das Fällen der alten Bäume und durch die Verbauung der Frischluftschneise; Kapazitätsengpässe des nicht erweiterbaren unterirdischen Durchgangsbahnhofs; usw. usf. - Die Risiken trägt natürlich die so genannte Allgemeinheit. Und das ist teuflische Grundprinzip unseres Mörderkapitalismus: Gewinne maximieren, Kosten und Risiken auf die Allgemeinheit abwälzen. Aber diese Allgemeinheit, namentlich die Bürgerinnen und Bürger der Stadt Stuttgart, mag dieses perfide Spiel nicht mehr mitspielen und legt sich quer – so quer, wie die da oben den Bahnhof quer legen wollen.

Und was können wir tun? Protestieren, Demonstrieren und bei der nächsten Wahl die "Spätzle-Connection" abwatschen. Und schaut mal da:

http://www.kopfbahnhof-21.de

http://www.parkschuetzer.de

http://www.leben-in-stuttgart.de